Bye, bye -stan Länder
- kathrinstahl

- 8. Nov. 2022
- 5 Min. Lesezeit
08.11.2022, Tag 220, Tadschikistan - Duschanbe

Nach dem Spektakel mit dem Fahrrad in Usbekistan bin ich von Samarkand mit dem Nachtzug nach Duschanbe gefahren, da von dort mein Flug nach Dubai geht.
Im Nachtzug habe ich wieder Shakhnoz getroffen. Das hat mich sehr gefreut. Sie ist einfach eine richtig lustige Person.
Mittwoch in Duschanbe angekommen. Als ich vom Bahnhof losfahre fängt es an zu tröpfeln. Ich denke: Ach es sind nur 1,5 Km bis zum Hostel, geht ohne Regenkleidung.
Es hat nach 2 Minuten angefangen wie aus Eimern zu schütten, sodass ich sofort klitsch nass war.
Im Hostel angekommen, heiß geduscht und ab ins Bett.
Seit Tagen habe ich viel zu wenig und schlecht geschlafen. Ich fühle mich überhaupt nicht gut.
Am nächsten Tag habe ich mich um ein paar Sachen für die weitere Reise gekümmert.
Hostel Dubai suchen, Benzin entsorgen (leider habe die Tankstellenmitarbeiter es fachmännisch ins nächste Blumenbeet geschüttet), Karton fürs Fahrrad besorgen, ...
Abends gechillt. Das schöne am Hostel sind die Katzen. Paar Babys und eine ausgewachsene Katze die gerne kuscheln und gestreichelt werden wollen, sind immer zugegen. Sehr süß.
Auch immer schön zu sehen, wie die anderen Gäste von jung bis alt mit den Katzen knuddeln.
Donnerstag besuche ich Shakhnoz in ihrem neu eröffneten Beautysalon. Sie ist so nett und lädt mich zum vollen Programm ein.
Ich bekomme von ihrer Freundin Mausuna die Nägel gemacht, Make Up aufgelegt und Haare gestylt. Ich finde mich wunderschön und es war ein lustiger Mädelstag. Hat richtig Spaß gemacht.
Wir gehen zu Abend essen und danach in die Falle. Irgendwie sind wir alle Müde.
Vielleicht liegt es am Wetter, denn es ist meist nass, grau und ungemütlich kalt. Richtig eklig herbstlich.
Samstag treffen wir uns wieder im Beautysalon und gehen danach in eine richtige Tanzbar im Keller des Hilton Hotels.
R'n'B und Hip Hop läuft. Gut gegessen, gut getrunken und schön abgehottet.
Um ca. 4 Uhr falle ich ins Bett.
Sonntag vergammel ich und treffe mich Abends nochmal mit Azizhoo, demPamir-Taxifahrer, zum Essen.
Montag verplempere ich auch mit gammeln und packen.
Abends noch ein kleiner Ausflug mit Shakhnoz und ihrer Freundin Mausuna zum Essen und Tanzen. Nachts um drei ab zum Flughafen und natürlich ist es mit dem Fahrrad nicht so leicht wie erhofft.
Ich konnte vorab kein Ticket für das Fahrrad kaufen. Es wird gewogen und entsprechend dem Gewicht muss ich nachzahlen. Aber: nur in Cash.
Also Frage ich wo der nächste Geldautomat ist. Dieser ist leer. Ein Flughafenangestellter meint sogar, mit mir zusammen es nochmal zu versuchen obwohl ich ihm gesagt habe, dass er leer ist. Auch mit ihm an meiner Seite blieb der Automat leer. Wenn man in Duschanbe Geld braucht, muss man meistens mehrere Automaten anlaufen, da entweder keine ausländischen Karten akzeptiert werden oder eben die Automaten leer sind.
Frage ich Flughafenmitarbeiter und bei der Information nach: keine weiteren Automaten bekannt.
Tatsächlich finde ich einen zweiten in diesem kleinen Flughafen. Ankunft und Abflug in einem Terminal. Da hast du Spaß, wenn du ankommst, denn Geld zu wechseln war auch nicht möglich.
Ich weiß nicht wofür die zwei Damen an der Information bezahlt werden.
Der zweite Automat hat nur 200 Somoni im Angebot. Ich brauche noch 500 Somoni.
Draußen finde ich noch zwei. Beide funktionieren nicht. Ich Fluche ein wenig über das Mittelalter.
Was bleibt?
Ich nehme ein Taxi und lasse mich zum Hilton Hotel fahren. Eine sichere Quelle für funktionierende Automaten.
Ich komme an. Automat 1 spuckt auch kein Geld aus. Allmacht, was ist los? Bitte lass mich nicht im Stich! Aber Automat 2 funktioniert. Juhu. Der sechste Automat!
Schnell ins Taxi und zurück zum Flughafen.
Der zuständige Mitarbeiter ist natürlich nicht mehr vor Ort. Es gibt viel Palaber, dann laufe ich mit einem Mann quer durch den Flughafen in sein Büro, er telefoniert zunächst, meine Geduld leidet. Er nimmt das Geld und fertig. Jetzt muss das Velo nur noch heil in Dubai landen.
Ich werde Duschanbe vermissen. Ich hatte beide Male eine unglaublich tolle Zeit hier. Durch Shakhnoz, Azizhoo und zuvor Oliver usw. Habe ich es mir hier richtig gut gehen lassen.
Allgemein hat mir von den Menschen her bisher Tadschikistan am besten gefallen. Im Pamir habe ich mich in den Guesthouses mit den Pamir-Menschen zusammen immer richtig wohl gefühlt.
Es war immer so gemütlich. Man wurde an den Tisch gesetzt und mit Essen versorgt, als würde man dazugehören.
Nach Ankunft wurde man immer gepampert.
Sonst noch ein paar Eindrücke:
Die meisten Menschen und auch Taxifahrer verstehen Googlemaps bzw. Karten allgemein nicht. Sie sehen nichts auf der Karte. Selbst wenn man die Navigation einschaltet, hilft es nicht jedem Taxifahrer zu verstehen wo ich hin möchte.
Die Menschen hier besprechen sowas mündlich. Die haben die Fähigkeit sich genau zu beschreiben wo man hin möchte. Ich rufe dann z.B. Shakhnoz oder Azizhoo an und sage wohin ich will und die sprechen dann mit dem Taxifahrer der mich auch immer ganz genau an der Stelle rauslässt, wo ich hin muss. Auch dann, wenn der Taxifahrer oder die anderen zwei den Ort vorher nicht kannten. Es ist für mich ein Rätsel wie das funktioniert, aber es funktioniert.
Usbekisch klingt ähnlich wie türkisch. Mit türkisch kann man sich in Usbekistan verständigen.
In allen Ländern melden sich die Menschen mit Hallo am Telefon.
Hallo ist quasi International.
In den Hostels, Gästehäusern usw. zieht man immer seine Schuhe vor der Tür aus. Mir gefällt das mittlerweile sehr gut, da man sich direkt so zuhause fühlt. Innen sind überall Teppiche ausgelegt, sodass es sehr gemütlich ist. Manchmal werden auch Schlappen bereit gestellt. Es gibt immer Schlappen für die Toilette und das Bad.
Zur Begrüßung legen viele Menschen, wenn Sie es auch so meinen, ihre Hand aufs Herz. Das ist eine schöne Geste, da man sich direkt willkommen fühlt.
Wenn man jemanden kennen lernt und beim nächsten Treffen wird man damit begrüßt ist es herzerweichend. Es zeigt einem eindeutig, dass dieser Mensch sich freut einen zu sehen.
Nach dem Essen sagen die Muslimen Al-hamdulillah.
Das heißt soviel wie "Gepriesen sei Gott".
Nach jedem Essen halten alle kurz inne, machen eine bestimmte Bewegung uns sprechen dieses Wort für sich.
Die Bewegung sieht so aus, daß man seine Handflächen nach oben zeigt, die Hände bisschen breit auseinander als wolle man eine Karton tragen und dann kurz vor das Gesicht macht und dann nach unten zieht.
Ich mache das auch immer mit, weil es hier wirklich jeder macht.
Die Menschen in den -stan Ländern sind wirklich immer sehr freundlich und hilfsbereit, aber nicht aufdringlich. Auch sind Sie sehr umsorgend. Ich musste mir eigentlich nie Sorgen um mein Wohl oder meine Sicherheit machen, da ich wusste, die Menschen achten auch auf mich.
Ich wurde so häufig eingeladen und immer bestand Interesse an meiner Person. Es ging nie ums Geld. Unzählige Male fragten mich Menschen ob ich Hilfe benötige, ich mitgenommen werden möchte, bei Ihnen übernachten möchte, etwas essen möchte,...
Für die Menschen hier ist die Familie das wichtigste. Ich habe mir wirklich sehr, sehr viele Fotos von Familien und einzelnen Familienmitgliedern angeschaut.
Das war auch meist die erste Frage: verheiratet? Kinder? Boyfriend?... da ich nichts im Angebot hatte, wurde ich nach Geschwistern gefragt.
Da ich nun auch da keinen Ehemann, Nichten und Neffen im Angebot hatten wurde gefragt ob ich Eltern habe.
Ja, wir sind eine kleine Familie.
Neben der Familie sind gemeinsames Essen und das Teilen von Schlafplätzen, Mitfahrgelegenheiten, Essen, Trinken, Wärme und was auch immer gerade benötigt wird, wichtige in der Kultur verankerte Gesellschaftliche Standards. Die gelten für alle Menschen.
Es war eine tolle Erfahrung und ich hoffe für mich, meine Augen mehr für die Bedürfnissen anderer Menschen öffnen zu können.
Hier gibt es viel Wärme und Nächstenliebe von Fremden zu erfahren. Kuschelig.
Auch ist es hier sehr sicher. Man braucht sich nicht sorgen das jemand stiehlt. Der Knallkopf mit dem Fahrrad hat unüberlegt etwas dummes gemacht, aber im wesentlichen ist es sehr sicher hier.
Alles in allem habe ich mich sehr wohlgefühlt und ich möchte wirklich sehr gerne nochmal Kirgisistan und Tadschikistan besuchen. Die Natur, die Landschaften, die Berge,... Alles wunderschön.
Mit dem Rad lässt man natürlich viel aus, daher wäre die Nächste Reise eher mit dem Auto in meinem Sinne und mein leichtes Gravelbike hinten auf dem Gepäckträger.
Ich habe übrigens mehrfach gehört, dass Deutschland das schlimmste Land zum trampen wäre. Man würde stundenlang nicht mitgenommen werden.
































Kommentare