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Durch das Wakhan Valley

  • Autorenbild: kathrinstahl
    kathrinstahl
  • 29. Sept. 2022
  • 5 Min. Lesezeit

26.09.2022, Tag , Tadschikistan - Langar

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Ich startete mit dem Rad von Chorugh aus.

Die Straße war in recht gutem Zustand. Die meiste Zeit geteert. Immer wieder Schlaglöcher, Abschnitte die sandig sind oder auch streckenweise Schotter, aber gut zu fahren.

Es ging entlang am Gunt Fluss, der die Grenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan darstellt.

Man fährt die ganze Zeit mit Aussicht auf Afghanistan.

Es sind hohe Berge die das Tal säumen und in der Ferne blitzen manchmal schneebedeckte Gipfel der richtig hohen Berge durch. Sehr schön.

Ortschaften sind immer sehr grün und mit vielen Bäumen.


Auf der tadschikischen Seite ist überall Militär stationiert, dass hin und wieder den Reisepass kontrolliert und auch die Straßen patrolliert.

Auf der Afghanischen Seite ist das nicht zu sehen. Nur manchmal sieht man Menschen in ihren Gewändern herumlaufen und ihrer Arbeit nachgehen.

Nur kleine Dörfer sind auf der afghanischen Seite auszumachen.


Geplant hatte ich 80 Km und dann camping.

Allerdings hatte ich nach 80 Km eine Platten. Es kamen direkt zwei der Patroulliengänger um mich verscheuchen, weil sie dachten ich lasse mich da nieder. Als sie mein Problem erkannten, wechselten Sie mir den Schlauch. Sehr nett.


Nun war es schon am dämmern und ich war verunsichert bzgl. meines camping Vorhabens, da es ja schließlich eine Grenzregion ist. Obwohl in meinen Karten immer wieder Leute Standorte eingezeichnet haben, beschloss ich lieber bis nach Ishkoschim zu fahren.

Dafür musste ich 1,5 Stunden in der Dunkelheit radeln. War mir aber immer noch lieber als im Dunkeln, Wasser fehlte mir auch noch, dass Zelt aufzubauen bzw. einen Platz zu finden.


Um ca. 20 Uhr kam ich am angepeilten Gästehaus an. Sehr schick. Nach 10 Minuten wurde ich mit einem reichhaltigem und sehr leckeren Abendessen beglückt. Also Ende gut, alles gut.

Am Ende waren es 105 Km und 1320 Hm.

Am nächsten Tag setzte ich mir die heiße Quelle Bibi Fatima als Ziel. Ca. 70 Km entfernt. Die Strecke war ganz angenehm zu fahren, auch nach 50 Km der Teer zu Ende ging.

Schotter und Waschbrett, aber ok. Fast kein Verkehr. Man kommt immer wieder durch kleine Dörfer.

Überall sind Kinder die immer laut Hallo rufen und winken.


Abends kam ich am Ort der Bibi Fatima an. Die Quelle ist nicht weit von der Straße entfernt. Leider war mir vorab nicht klar, dass auf ca. 4 Km 500 Hm bewältigt werden müssen.


Ich startet, beschloss aber schnell das nächste Gästehaus zu nehmen, da es mir zu steil war. Das erste war geschlossen

Zum Glück.

Denn als ich so vor mich hinschob, kamen Toyota Landcruiser der deutschen Welthungerhilfe vorbei und fragten, ob sie mich mit hoch nehmen sollen. Die Steigung war brutal und die Straße schlecht. Ich hätte es auf keinen Fall an dem Abend mit dem Rad geschafft.


Das Hotel war nicht weit der Quelle, sodass ich die 800m noch hingelaufen bin.

18 Uhr - es dämmerte.

Angekommen, dunkel, aber Betrieb. Männer und Frauen getrennt.


Man zieht sich nackig in einem Gebäude aus und steigt dann eine Treppe hinab in das Wasser. Ca. 42°C warm.

Zunächst alles dunkel. Das Wasser rauschte und war laut, ich wusste nicht was los war.

Dann schaltete eine Frau das Licht an und es war einfach zauberhaft.

Wie eine Grotte, oder Höhle in der heiße Wasserfälle die Wände hinunter stürzen.

Das Wasser stand mir bis zur Hüfte.

Es war magisch. Das leicht dämmerige Licht und dem Nebel ließ es so verwunschen erscheinen.

Alle Frauen waren nackig, von jung bis alt. Massieren sich, lachen, haben Körperkontakt ohne Scham. Alles so frei und natürlich.

Ich kann kaum beschreiben wie verzaubert ich war. Ich war in einem Schwebezustand des Glücks.

Das Wasser war trinkbar.


Man stellt sich vor, man steht nackig in einer natürlichen Höhle, duscht sich unter einem 42°C heißen Wasserfall, trinkt das Wasser und man genießt den Moment. Das war mein Garten Eden.

Tatsächlich eines der außergewöhnlichsten Erlebnisse bisher.

Wer nichts erwartet gewinnt.


Ich machte mich zu Fuß auf den Weg zurück ins Hotel. Nach kurzer Zeit kam ein Auto vorbei. Gefühlt saßen bereits 20 Menschen drin. Ich wurde trotzdem eingeladen mich dazu zu quetschen, um bis zum Hotel mitgenommen zu werden. Perfekt.


Dort angekommen zum essen gegangen. Die 10 Männer der Welt Hunger Hilfe saßen an einem großen Tisch und ich durfte mich dazu gesellen.

Das Team baut in Tadschikistan Infrastruktur, vor allem eine gute Wasserversorgung, auf.

Ein interessanter und unterhaltsamer Abend.

Am nächsten Tag fuhr ich weiter mit dem Ziel Langar, der letzte Ort im Wakhan Valley.

Die Straße war recht schlecht, wodurch man nur langsam voran kommt.


Ich besuchte ein Museum. Ein traditionelles Haus der Wakhan Region. Der Mann konnte in Englisch ein paar Dinge über die Kultur der Region erläutern.


Nach 40 Km hatte ich wieder einen Platten. Damit dann leider schon beide Ersatzschläuche in Gebrauch genommen.

Ich habe festgestell, dass der hinteren Reifen innen kaputt ist. Sodass diese Stelle den Schlauch aufreibt.

Also Reifen von vorne nach hinten getauscht und umgekehrt. Über die kaputte Stelle habe ich Panzerband geklebt. Ich hoffe das hält bis ich wieder in Duschanbe bin.

Währenddessen ich ca. 1 Stunde mein Fahrrad auseinander genommen und wieder zusammen gesetzt habe, standen die komplette Zeit Kinder neben mir und haben zugeschaut.


Gerade als ich fertig bin, hält ein Auto neben mir. Wer sitzt drin? Youm aus Israel. Zum ersten Mal in Osch getroffen und zum zweiten Mal im Hostel in Duschanbe. Er hat Besuch von seinen Eltern, die sich ein Auto gemietet haben, um den Pamir zu erkunden.

Zudem sitzt der chinesische Singlerider Lee im Auto, den ich die Tage schon mehrfach unterwegs gesehen hatte.


Youms Mutter möchte auch mal radeln. Also steige ich in das Auto und sie fährt weniger Kilometer mit dem Rad.

Dann tauschen wir und die Leute nehmen mein Gepäck mit. Sehr komfortabel und nett. Wir treffen uns wieder im Gästehaus in Langar.


Dort habe wir einen schönen Abend. Sehr unterhaltsames Völkchen. Zur deutschen Kartoffel, der jüdischen Familie aus Israel und dem trampenden Chinesen gesellt sich noch ein Motorradfahrender Kanadier. Wie könnte es da langweilig werden?


Nachdem ich mein Vorhaben erläuterte mit trampen den anstehenden Pass zu bewältigen, werde ich noch dazu eingeladen am nächsten Tag im Auto über den Pass mit zu fahren.

Mal schauen ob das Fahrrad in das Auto passt. Es wäre perfekt, da ich sonst 2000 Hm auf 70 Km auf sehr schlechten Straßen zu bewältigen hätte. Ich würde für den Pass Minimum 2 Tage brauchen und wäre danach körperlich im Eimer.

Es wird oben mittlerweile schon recht kalt, sodass ich jede Beschleunigung dankend annehme.

Mittlerweile habe ich richtig gefallen am alleine Reisen gefunden.

Zu Beginn fand ich es einfach scheiße, dass ich niemanden habe. Eigentlich fand ich es die meiste Zeit scheiße.

Aber ich erlebe so viel, treffe so viele Menschen und bin so unendlich frei, dass es mir richtig Spaß macht.

Das schöne ist, dass man irgendwie immer wieder Gesellschaft für eine gewisse Zeit findet. Man ist nie alleine.

Ich habe leider doch recht lange gebraucht, um es auch so zu fühlen.


Es gibt zwar auch immer Situationen in denen ich angefressen bin, dass ich keinen habe, der mal die Verantwortung übernimmt, entscheided, Vorschläge macht bzw. Ideen einbringt oder an den man sich mal anlehnen kann. Diese Momente gehen zum Glück irgendwann vorbei und man schafft eben doch alles alleine. Ist halt gerne mal anstrengen, muss man aber durch.


Das Internet ist leider zu schlecht für Bilder. Reiche ich nach sobald möglich.

 
 
 

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