Durchwachsen
- kathrinstahl

- 2. Juni 2022
- 3 Min. Lesezeit
02.06.2022, Tag 61, Türkei - Iznik, 40 Km

Heute Nacht wurde mein Schlaf unterbrochen. Ich war plötzlich Glockenhellewach und wusste sofort, irgendwas ist draußen vor dem Zelt.
Ich ging direkt davon aus, dass es sich um einen Kangal-Kalb handelt. Diese großen Hunde sind hier überall zugegen. Bisher sind die wilden Hunde in der Türkei nicht aggressiv. Da Tierliebe im Islam wichtig ist, werden die Tiere vielleicht eher wohlwollend behandelt und sehen somit keinen Anlass für Aggressionen gegenüber Menschen. In Bosnien waren Hunde oft an sehr kurzen Ketten oder in winzigen Zwingern. Da waren die Tiere gefühlloses Nutzvieh. Entsprechend wurden wohl dann auch die wilden Hunde behandelt und dementsprechend sind die Tiere aggressiv gegenüber Menschen. Stell ich mir zumindest mal so vor.
Ich war also wach, aber alles in Butter. Dachte der Hund schnuffelt bisschen rum und verkrümelt sich dann wieder. Aber als ich mich ein wenig bewegte und der Hund das gehört hatte, fing er an zu bellen. Ok, so ein Zelt ist auch schon ungewöhnlich. Mein Herz schlug so doll. Ich wartete ab und irgendwann hörte er auf und irgendwann hatte ich auch keine Bewegungen um das Zelt herum gehört. Ich dachte nur, hoffentlich liegt der nicht vor dem Zelt wenn ich aufstehe. War aber nicht der Fall.
Also alles gut gegangen. Aber ca. 2 Stunden futsch. Konnte vorher schon schwer einschlafen.
Hat mich aber beruhigt, dass wohl ein gewisser Instinkt jedem Innewohnt. Ich schlafe immer wie ein Stein und der Hund war ganz leise und ich war von 0 auf 100 wach und wusste: hier stimmt was nicht. Am Ende ja alles nur halb so wild.
Hatte schon Schauergeschichten gehört, dass Hunde auf Zelte gesprungen sind.
Ich bin um ca. 09:00 Uhr gestartet. Kaltstart ohne Kaffee, da ich am Vorabend das Benzin aufgebraucht habe.
Die Strecke ging zu Beginn nur Bergauf. z.T. so steil, dass ich geschoben habe.
Die Sonne war schon um 11:00 Uhr unerträglich.
Um ca. 12:00 Uhr, erst 25 Km geschafft, habe ich eine Pause unter einem Olivenbaum eingelegt. Ich bin für eine halbe Stunde eingenickt.
Danach weiter und plötzlich einen Platten am Vorderrad. Um die Nabe zu öffnen, muss man den Gepäckträger entfernen.
Ich habe die Verschraubung der Nabe dann nicht aufbekommen. Dann habe ich mit Google Translator zwei Feldarbeiter um Hilfe geben. Sie haben mir direkt den Schlauch gewechselt. Irgendwie hat das Aufpumpen nicht richtig funktioniert. Die zwei haben ewig probiert, ich auch, aber der Reifen war nur halbvoll zu bekommen. Leider wurde das Vorderrad auch so montiert, dass die Stecker vom Dynamo zum Licht nicht mehr zusammen fanden.
Ich wollte das korrigieren, also Gepäckträger wieder ab. Leider Nabe wieder nicht aufbekommen. Die anderen zwei weg. Versucht so die Stecker umzufummeln - Steckverbindung abgerissen.
Etwas verstimmt und einem halbvollen Reifen in den nächsten Ort. Mit vielen hin und her, konnte mir jemand verdeutlichen, dass ich an der Tankstelle Hilfe bekomme. Der eine Mann ist direkt mitgekommen,
Tankstellenmensch hatte selbstgebastelte Konstruktion für französische Ventile am Start. Juhu.
Aber auch hier konnte niemand englisch und die Menschen, bisher habe ich ausschließlich mit Männern zu tun gehabt, reden unermüdlich auf einen ein. Klingt immer relativ laut und streng, ist aber nett gemeint und ich habe meist keinen blassen Schimmer was die mir mitteilen wollen. Zeichensprache ist irgendwie auch nicht drin.
Die Leute sind echt nett und hilfsbereit, aber dass man sich so schwierig verständigen kann, ist schon auch anstrengend.
Bin dann weiter und habe im nächsten Ortn einem schön See gelegen, gesehen dass ein Campingplatz vorhanden ist. Sonst gibt es die nächsten 500 Km (mindestens) keinen mehr. Da der Tag so toll war, ich irgendwie immer noch bisschen gerädert bin, ein Ohr schmerzt, der Kopf weh tut und auch ein weiterer harter Anstieg ansteht, entschieden ich mich dazu nach 40 Km Schluss zu machen.
Der Campingplatz liegt direkt am See Iznik Gölu. Der See ist sehr groß und man könnte meinen, man ist am Meer. Sehr schön. Dusche außen aber füe mein Geschmack top, Toilette ok. Es gibt sogar Kaffee und gemütliche Sitzgelegenheiten am See im Sonnenuntergang. Gelegenheit paar Visasachen nachzulesen.
Der Tag endete somit richtig schön.
Hatte dann auch die Muse nochmal das Rad zu lösen (ein ausreichender Hebel!!!), Dynamo umzupositionieren und die Steckverbindungen mit Panzerband neu zusammen zu friemeln.
Übrigens ist spätestens seit Bosnien Nescafe hoch im Kurs. Man kann entweder landestypische Kaffee bestellen, die dann ganz kleine Tassen sind in denen das Pulver drin ist, oder Nescafe. In Istanbul gab es natürlich auch normalen Kaffee, aber sonst ist es gar nicht so gewöhnlich. Nescafe, mit seinem Granulatzeug ist halt auch nur so naja. Aber für meinen Geschmack immer noch besser als Tee.
Tee, Caj genannt (Chai gesprochen) gibt es natürlich überall.
So, heutiger Tag, weil ich es zwischendurch einfach kacke fand, alleine da zu stehen:
Abba - Take a chance on me
Für morgen bin ich motiviert.




















Gewaltig wird des Schlossers Kraft, wenn er mit Verlängerung schafft! 😉