Ich habe es mir doch anders überlegt
- kathrinstahl

- 21. Sept. 2022
- 4 Min. Lesezeit
20.09.2022, Tag 171, Usbekistan- Taschkent

Also ich so rumsaß und hart gegeübelt habe wie ich weiter mache, kamen mir natürlich tausend Varianten in den Kopf.
Zunächst war das Thema Pamir für mich erledigt.
Zum Zeitvertreib schrieb ich mit paar Leuten über WhatsApp und Instagram und es taten sich damit plötzlich neue Möglichkeiten auf.
Ich war direkt motiviert.
Der Vermieter teilte mir mit, dass ich das Geld für das Auto zurück bekomme.
Also was sonst, außer die Karre so schnell wie möglich zurück zu geben?
Angefixt so schnell wie möglich nach Duschanbe zu kommen, setzte ich mich um ca. 14 Uhr in den Toyota.
Ich fuhr bis nach Osch durch. Dort kam ich nachts um zwei an.
Morgens stand ich schon zeitig auf, da ich viel vor hatte.
Ich klärte alles mit dem Vermieter, der wirklich sehr nett und zuvorkommend war. Wir einigten uns gütlich und mittags fuhr ich mit dem Rad nach Usbekistan.
An der Grenze suchte ich mir ein Taxi, dass mich für 50€ die 390 Km bis nach Taschkent fährt.
Der Mann war mir nicht gerade sympathisch. Die ganze Zeit fummelte er am Handy rum und fuhr viel zu schnell. Mehr als einmal musste ich ihn darauf aufmerksam machen, dass er abdriftet.
Irgendwann fing er mit seiner Übersetzer-App damit an, dass ich ihm helfen soll in Deutschland Arbeit zu finden, da sein Kind krank wäre.
Sowas nerviges.
Der oberknaller war jedoch, als er 60 Km vor Taschkent an einer Kreuzung anhält. Es war schon dunkel und er meinte, er müsse geradeaus, es wäre ja schon spät und für Taschkent müsse er rechts abbiegen.
Da wurde ich sauer und sagte ihm energisch und bestimmend, dass er mich nach Taschkent zu fahren hat. Er versteht meine Sprache nicht, aber ihm wurde wohl klar, dass er es sich gerade sparen kann, mir mit so einer Aktion auf den Geist zu gehen.
Nach kurzem Palaber fuhr er weiter und entschuldigte sich, dass wir uns falsch Verstanden hätten. Er fragte nach weiteren 10 $. Ich stimmte zu, denn 60€ für einen 400 Km Fahrservice bis vor die Tür ist immer noch geschenkt. Die Linke Nummer hätte er sich trotzdem sparen können.
Die vergangenen Tage waren anstrengend. Wie vom Auto überfahren, konnte ich diesmal keine Diskussion dulden.
Ich kam sehr spät und sehr durch im Hostel an.
Am folgenden Tag hatte ich paar Sachen zu erledigen, sodass für Sightseeing keine Zeit blieb.
Ich kaufte, ich habe dafür knapp 2,5 Stunden angestanden, ein Zugticket nach Duschanbe. Über 19 Stunden geht einmal pro Woche ein Nachtzug von Taschenkt nach Duschanbe.
Die Strecke verläuft zum Großteil in Usbekistan, weit weg vom Krisengebiet.
Im Hostel habe ich eine 22-jährige Pakistanerin kennen gelernt. Sie hängt dort seit ca. 2 Monaten fest und wartet auf ein Visum für Lettland. Sie soll dort studieren, damit sie einen internationalen Abschluss hat.
Aber eigentlich will sie das gar nicht und möchte nach Hause. Aber ihr Bruder, der nur 2 Jahre älter ist, hat das so für Sie bestimmt. Sie sei so schlau, sie müsse studieren. Er gestattet ihr auch nicht, einen Rückflug nach Pakistan zu nehmen.
Sie hängt nur im Hostel rum, weil sie alleine nicht rausgehen möchte. Sie es nicht gewohnt, etwas alleine zu machen.
Sie kennt nur ein Leben bei ihren Eltern zuhause, dass von ihrem Bruder vorbestimmt wird. Unglaublich.
Sie war schockiert, dass Frauen beim Schlafen keine Hosen tragen. Und das, obwohl wir einen Frauenschlafsaal haben. Ich schlafe sogar oben ohne. Das muss ja noch schlimmer für Sie gewesen sein.
Sie war vorher noch nie im Ausland und sie soll ganz alleine nach Lettland reisen und dort 4 Jahre studieren. Sie tut mir sehr leid.
An die Tag an dem ich los fahre, wird in den Nachrichten berichtet, dass Tadschikistan und Kirgisistan eine Waffenruhe unterzeichnen und Truppen sowie schwere Geschütze wieder abgezogen werden sollen. Also alles wieder in Butter.
Mein aktueller Plan: nach Duschanbe fahren, mit einem Taxi das man sich mit anderen teilt bis nach Korough fahren und von dort mit dem Fahrrad starten. Und dann kann ich entweder, immer mit dem Ziel wieder in Chorough zu landen,eine kleine Runde fahren (500 Km) oder bis zum höchsten Punkt (900 Km) oder bis bis zur Grenze (1300Km). Dann hätte ich wenigstens einen Teil gesehen, egal wie ich es mache. Da es überall Homestays und Gästehäuser gibt, sollte ich mir auch nicht im Zelt einen Ast abfrieren müssen.
Jonas, meine persönliche Vorhut, berichtet mir bisher regelmäßig, wie es läuft. Alles gut bei ihm.
Bisher zu Usbekistan kann ich nur berichten, dass es ganz anders wie Kirgisistan ist.
Viel moderner, wohlhabender, offener und westlicher. Viel mehr Menschen, Verkehr, bunte Lichter und Trubel. Die Menschen sind viel kommunikativer und direkter, hilfsbereit und lustig. Hier gefällt es mir sehr gut.
Mehr Informationen zu Usbekistan liefere ich, sobald ich es nach Tadschikistan gescheit besichtigen werde.
Jetzt sitze ich im Zug, der nicht so ausgebucht ist. In der Holzklasse bin ich nur mit einer weiteren Frau im Viererabteil.
Ich wurde auch schon von einer Schaffnerin angesprochen, die mit mir in den Pamir will. Da muss ich nochmal drüber nachdenken.
Die Zugfahrt verläuft entspannt. Die Frau in meinem Abteil spricht ein paar Wörter Englisch. Ausreichend um zwischen mir, dem Zugpersonal, Teeverkäufern und allen weiteren Interessentenzu vermitteln. Zudem lädt sie mich zum Abendessen ein, dass sie sich in einer Tupperdose mitgebracht hatte. Eine entspannte Zugfahrt. Ich habe gut geschlafen.
Um ca. 11:30 Uhr bin ich in Duschanbe angekommen. Zunächst um die Erlaubnis, deren Ausstellung ein Tag beansprucht, gekümmert und dann in das Green House Hostel. Das Standardhostel der Radreisenden und Pamirstarter.
Hier direkt Youm, den Israeli aus Osh, wieder getroffen.
Zudem eine nette Estin kennen gelernt, mit der ich entspannt den Nschmittag und Abend verquatscht habe.
Da ich nun einen Tag auf die Erlaubnis warten muss, habe ich keinen Stress.












































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