Keine Schildkröten und kurz nach Salalah
- kathrinstahl

- 17. Dez. 2022
- 8 Min. Lesezeit
17.12.2022, Tag 259, Oman - Nizwa

Nachdem ich mich in einer ruhigen Nacht vom Schrecken mit dem Handy erholen konnte, bin ich weiter gen Osten geradelt. Nach ca. 45 Km wollte ich an den östlichsten Punkt der Arabischen Halbinsel.
Kurz davor wird mir jedoch klar, dass man nicht so einfach da hinkommt, da dort auch ein Gebiet ist, indem Schildkröten schlüpfen.
Das tun sie allerdings nur Nachts, sodass man tagsüber keine Schildkröten sieht.
Man kann den Strand und den Ort auch besuchen, wenn man 2 Rial (5 €) bezahlt. Da ich nun schon extra dahin gefahren war, bezahle ich die 2 Rial.
Ein wunderschöner, weißer Sandstrand für mich alleine mit einem Meer in den schönsten blautönen.
Ich laufe bisschen rum, versuche kläglich ein Selfie im Sprung zu machen (es brauchte nur 14 Versuche) und beobachte wie hier und da eine Krabbe in der Brandung herum marschiert.
Irgendwann laufe ich auf die Klippen zum östlichsten Punkt. Auf dem Weg hat man nochmal einen schönen Blick auf die Bilderbuchküste.
Ich überlege zunächst ob ich eine nächtliche SchildkrötenTour mache. Aber es erscheint mir Banane, dass die Schildis nicht mal in Ruhe das Licht der Welt erblicken können und dann das erste was sie sehen, der Mensch ist.
Also nope.
Danach geht es noch ca. 30 Km an der Küste entlang, bis ich in einem Pavillon direkt am Strand ein ruhiges Plätzchen finde.
Morgens werde ich von 4 Anglern in Folge gefragt, ob ich Fisch will.
Nett, aber wohin damit? Also nein danke. Lustigerweise wollen die nicht verstehen, warum man den Fisch nicht will.
Ich finde am Strand die größte Muschel jemals. Größer als meine Hand. Fantastisch.
Hier gibt es übrigens die schönsten Sonnenuntergänge. Die Sonne versinkt mit ganz klaren Umrisse im Horizont. Leider kann es mein Handy nicht so gut einfangen, aber definitiv die schönsten Sonnenuntergänge die ich jemals sah.
Es mehren sich plötzlich die Menschen die mich ansprechen. Ständig halten Autos an und fragen immer: How are you? Where are you from? Do you need help? Oman is safe? (Wie geht es dir? Woher kommst du? Brauchst du hilfe? Der Oman fühlt sich für dich sicher an?)
Und meist bekomme ich dann noch eine kleine Flasche Wasser geschenkt.
Häufig notiere ich mir Handy Nummern, damit ich mich melden kann, wenn ich was brauche oder es ein Problem gibt.
Morgens fahre ich weiter. Die Landschaft ist tröge. Wie Wüste eben so ist.
Flach und nichts zu sehen.
Jedoch sieht man immer häufiger Kamele. Die freuen mich jedes Mal. Wie die so gemütlich durch die Landschaft dappen, dornige Büsche anknappern und dabei so gütig und freundlich drein schauen.
Sind aber immer nur Weibchen. Keine Ahnung was mit den Männchen geschieht.
Ich fahre bis Al Ashkharah, dem letzten Ort am Meer bevor ich wieder Richtung Westen und Landesinneres abbiege.
Bei einem kurzen Strandspaziergang finde ich viele tote Kugelfische. Zwei sind sogar Aufgeblasen. Und ganz hart. Ich denke von der Sonne getrocknet.
Könnte man sich daheim hinlegen.
Abends fahre ich zu lange.
Meistens ist überall freie Zeltplatzwahl, da kaum besiedelt. An diesem Tag verabschiedet sich das Tageslicht als ich in einer dicht besiedelten Region bin. Ursache: es gibt dort Wasser.
Nach einem kurzen Marsch durch Palmenfelder finde ich jedoch ein Plätzchen in der Nähe des Flusses zum Zelten. Gestern Strand, heute Dschungel. Echt immer wieder schön.
Tags darauf fahre ich früh los und sehe eine Festung ausgeschildert. Ich beschließe, da ich so früh gestartet bin, nehme ich mir die Zeit die Festung zu besichtigen.
War sehr angenehm, da tip top renoviert und ich morgens um 9 Uhr der einzige Besucher war. War schön da ungestört rumzulaufen.
Das Gebäude wurde wohl mehrfach wieder aufgebaut. Zuletzt 1807 - 1856.
Der Rest des Tages ist Ereignislos.
Die Landschaft eintönig, ich fahre meist auf guten Straßen mit einem großzügigen Seitenstreifen.
Ich habe Bedarf zu Duschen und nehme mir Abends ein Hotel. Günstig ist es im Oman leider nie. 50€ die Nacht. Wobei ich natürlich auch verwöhnt bin von den vorherigen Ländern.
Aber ein sauberes Bett, Wasser zum Duschen und Kleidung waschen sowie das Frühstück taten nach über 1 Woche camping ganz gut.
Tags darauf geht es nur darum Meter zu machen. Abends wieder Camping im middle of Nowhere. Ruhig, jedoch kurzer Schreck als ich von einer Kamelspinne belästigt werde. Ekliges Tier. Ist keine Spinne, aber schwarz. Ist nicht giftig, kann aber beißen. Kamele stehen nicht auf ihrem Speiseplan, Sie kann aber Fleisch riechen und wird davon angezogen. Ich hatte kein Fleisch dabei, aber die Vermutung dass das Beef-Aroma der China-Nudeln zumindest die Spinne täuschen konnte.
Der kleine eklige Kollege ließ sich lange nicht vertreiben.
Wegen dem Tierchen hatte ich so nen grusel vor Krabbeltieren auf dem Boden bekommen, dass ich die ganze Zeit stehen musste, bis ich endlich ins Bett bin.
Der Tag kommt und ein Skorpion sticht zu. Hilfe.
Am Tag darauf gilt es wieder nur Meter machen bis Nizwa. Tag 9 in Folge auf dem Rad. Mein Arsch schmerzt mittlerweile und nach den ersten 50 Km wird es ungemütlich auf dem Fahrrad. Die Motivation ist weg, ich will nur noch ankommen und chillen.
Die Beine lahm, die Handgelenke ziehen, der Boppes macht aua, die Sonne nervt.
Die letzten 10 Km sind nur noch Qual.
Während ich mich mit dem Radl quäle, sind die Omanis so faul, dass die mit dem Auto vor den Supermarkt fahren, hupen damit jemand gelaufen kommt, ihm sagen was sie wollen und dann warten, bis Sie die Sachen gebracht bekommen. Das machen die z.T. auch vor Cafés oder Restaurants.
Übrigens leben im Oman zu 50% Menschen aus anderen Nationen. Meist Pakistaner, Inder und Menschen aus Bangladesch.
Als ich Abends endlich in Nizwa ankomme, freue ich mich über mein hübsches Hotel. Wie gemalt.
Ein 300 Jahre altes Gebäude, dass renoviert wurde und 2018 wieder eröffnet wurde. Mitten in der Altstadt.
Richtig hübsch gemacht. Ich fühle mich richtig wohl. Morgens hat man von der Frühstücksterrasse eine wunderschöne Aussicht.
Das Frühstück ist auch super. Und die Dusche.
Ich muss zugeben, mir fehlt zunehmend der Komfort einer täglichen Dusche, Waschmaschine, Kühlschrank usw.
Es wird immer mühseliger.
Es macht schon noch Spaß, aber man hat schon so viel gesehen, dass es auch nicht mehr so kickt. Bei vielen Sachen fährt man vorbei, weil es mit dem Rad kaum machbar ist. So z.B. auch beim Wadi Bani Khalid. Liegt in den Bergen. Schlimm, steiler Weg. Und dann ist es einem auch noch egal.
Man hat sich einfach irgendwie daran gewöhnt, immer was neues zu sehen, sodass man irgendwann auch nicht mehr alles sehen muss. Es ist nicht mehr so besonders, was ich auch Schade finde.
Bin auch gar nicht mehr so schreibmotiviert. Teilweise auch einfach sehr müde abends.
Das reisen macht Spaß, aber das Fahrrad mit dem Gewicht, das Campen und der fehlende Komfort stören mich. Es macht einfach so viel Arbeit etwas zu sehen. Da bin ein bisschen müde geworden.
Am nächsten Tag erfreue ich mich aber an dem Souq und der Festung.
Ein Souq ist sowas wie ein Markt. Ein Platz der häufig überdacht ist.
Meist gibt es Souveniers.
Ich könnte auch hier im Oman einen Container mit Souveniers füllen. Hübsche Lampen, Truhen und Rauchgefäße. Was man halt so brauch.
Das Fort ist ebenfalls beeindruckend groß und top renoviert. Sehr interessant auch, wie es verteidigt wurde. Aber diese Indiana Jones tauglichen Fallen werde ich jetzt nicht im Detail erläutern.
Nach dem Fort nehme ich einem Snack zu mir. Als Ich gerade aufstehe, hält einfach so Marta vor mir mit ihrem Rad. Ebenfalls alleine reisend, aus Spanien. Ich hatte Sie in Usbekistan kennen gelernt.
Was ein glücklicher Zufall, denn sie wollte nur 2 Minuten anhalten um ihr Wasser aufzufüllen.
Wir schnacken so viel wie in nur 10 Minuten möglich ist, dann muss sie weiter. Der frühe Sonnenuntergang kündigt sich an und Sie muss noch 15 Km raus aus der Stadt um einen Campingplatz zu finden.
Gute Fahrt meine liebe.
Am nächste Morgen fahre ich mit dem Bus nach Salalah. Das ist 1000 Km südlich.
Den ganzen Tag im Bus sitzen stört mich nicht mal. Einfach Zeit zum chillen.
In Salalah angekommen, wieder Hotel, da es schon spät ist.
Morgens mache ich mich auf dem Weg zum Wadi Darbat.
Es sieht in Salalah am Meer so schön aus. Palmen, weiße Strände und Kokosnüsse. Wie im Paradies.
Direkt mal Kokosnuss gegönnt. Lecker, aber leider nicht so deliziös wie in Südostasien. Aber immer noch besser als keine Kokosnuss.
Ich radel ca. 40 Km, flach und ok. Es gibt hier nochmal viel mehr Kamele. Jedes einzelne erfreut mich.
Dann kommt ein richtig fieser Anstieg.
Warum auch immer, bekomme ich das Rad kaum geschoben. Der Saft in den Beinen schwindet und manchmal flimmert es vor meinen Augen. Mir ist überhaupt nicht wohl. Menschen Fragen ob Sie mir helfen solle , einfach weil die so nett sind.
Ich lehne ab. Der Trubel ist mir zu anstrengend.
Also setzte ich mich an den Rand, löse eine Elektrolythe Tablette auf und hoffe das eine ausreichend lange Verschnaufpause helfen wird.
Nach ca. einer 1/2 bis 3/4 Stunde kann ich weiter schieben. Mir geht es wieder gut. Leider ist schon wieder Sonnenuntergang. Die Tage sind so ätzend kurz.
Also schnell, schnell ins Wadi. Kurz an den Aussichten auf den Fluss und die Wasserfälle genossen.
Dann schon nach einem Schlafplatz umgeschaut.
Fast am Ende des Tales finde ich ruhige Ecken direkt am Fluss.
Ein Mann schenkt mir eine kuschelige Decke, damit mir die Nacht nicht kalt ist. Nett, aber leider blöd zum transportieren. Ich freue mich darüber und kann es nicht glauben.
Nachts sind es 23°C, sodass ich nicht mal wirklich meinen Schlafsack benutze.
Ich schlafe ruhig. Einige Krabbeltier Rascheln unter dem Zelt. Zudem sind ein paar Esel unterwegs.
In der Ferne höre ich Hunde den Mond anjaulen. Wildnis pur.
Morgend starte ich früh. Gerade als ich einen Baum bewundere, der sehr groß ist und eine Ast hat, der zum Sitzen gemacht ist, werde ich von einem Pakistaner angesprochen, der an der Station für die Bootsfahrten arbeitet.
Er lädt mich zum Kaffee ein.
Da sage ich doch nicht nein.
An der Bootsstation sieht er meinen gierigen Blick auf die Kokosnüsse. Also bekomme ich noch vor dem Kaffee eine Kokosnuss serviert. Jippie. Queensday.
Danach bereitet er eine Kanne Kaffee vor und er zeigt mir eine Höhle. Ein kurzer Fußweg, den man als unwissender auf keinen Fall gesehen hätte, führt über Stock und über Stein bergauf zu einem Höhlenartigen Felsvorsprung. Sehr nett. Wir trinken den Kaffee und essen Kekse.
Danach Abmarsch zurück. Es sind sonst keine Touristen dort also unterhalten wir uns. Eigentlich ist es verboten im Wadi zu schwimmen. Ich frage ob er schon mal schwimmen war, weil er ja mit dem Boot zu uneinsichtigen Stellen fahren kann.
Er sagt ja und fragt ob ich schwimmen möchte. Die Gelegenheit schlage ich natürlich nicht aus.
Also tuckern wir mit dem Boot soweit, dass seine Kollegen, die es auch nicht schert, und andere Touristen uns nicht sehen können und gehen eine runde in dem türkisblauen und klaren Wasser schwimmen. Es ist angenehm warm. Perfekt.
Nach einer halbe Stunde planschen geht es zurück und ich werde noch zum Mittagsessen eingeladen. Womit auch immer ich das verdient habe.
Zunächst eine Art Pfannekuchen mit Käse und Honig. Vorzüglich. Dann China-Nudeln, weil ich noch hungrig bin.
Da ich gierig bin und er tausend mal gefragt hat, ob ich nicht doch noch was will, nehme ich noch einen Pfannkuchen mit Nutella. Scheiß die Wand an, war das fein.
Schwupps ist der halbe Tag um und ich muss mich auf den Weg zurück nach Salalah machen. Dort übernachte ich wieder im Hotel um am nächste Tag die 1000 Km mit dem Bus zurück nach Nizwa zu fahren. Dort habe ich wieder das hübsche Hotel genommen.
Warum auch immer, bin ich im Bus total müde und mir ist sehr schlecht. Kann kaum die Äuglein aufhalten, obwohl ich lange geschlafen habe. Irgendwie ist es seit ein paar Tagen so. Keine Ahnung. Hoffe es ist bald vorbei.
Jetzt gilt es nur noch zeitig bis nach Dubai zu kommen. Weihnachten wollte ich dort verbringen.
Hoffe mir geht es morgen besser.
































































































































































































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