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Tosor-Pass und Arabel-Pass

  • Autorenbild: kathrinstahl
    kathrinstahl
  • 25. Aug. 2022
  • 8 Min. Lesezeit

19.08.2022, Tag 143, Kirgistan- Tamga

Das Internet ist leider so schlecht, dass ich keine Bilder hochladen kann.


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Tag 1 - Goodbye Oliver


Die Nacht war wunderbar. Ein Sternenhimmel wie aus dem Katalog. Sehr klar und man sah Abertausende Sterne leuchten. Ich habe sogar einen roten Stern erkennen können.


Wir starteten gewohnt spät und sind in den nächsten Ort einkaufen gegangen. Proviant für 5 - 6 Tage gilt es mitzuschleppen. Ich habe glaube viel zu viel gekauft.


Dann ging es los. Abgebogen Richtung Pass und schon war nichts mehr mit Teer. Nur Sand und Geröll.


Ziel ist es auf ca. 4000m zu kommen. Start bei 1600m.


Oliver war flott unterwegs. Mich plagte es, so langsam zu sein. Häufig musste ich schieben. Zu steil und Fahrrad zu schwer bei den Untergründen. Vor allem der Sand.


Ich kam mir vor wie ein Klotz an Olivers Bein.


Irgendwann beschloss ich für mich, Oliver, falls ich ihn nochmal treffe, zu sagen, dass er ohne mich weiter fahren soll. Er muss sonst ewig auf mich warten und ich war mir nicht mal mehr sicher, ob ich das Vorhaben überhaupt schaffen kann.


Die zunehmende Höhe macht es auch nicht leichter.


Als ich Oliver endlich wieder begegnete, er musste schon sehr lange gewartet haben, fragt er mich direkt ob ich mir sicher bin, dass durchziehen zu wollen und zu können.


Ich teilte ihm meine Entscheidung mit, da ich mir auch nicht mehr sicher war. Er sah ein, dass ich es vielleicht nicht schaffe und schweren Herzens verabschiedeten wir uns. Ich ließ ihn vorfahren und war recht zufrieden in der Situation. Er möchte so oder so gerne für sich sein und ich muss mich selbst nicht mehr stressen, dass er auf mich warten muss.


Aber ich wollte trotzdem weiter und die Landschaft sehen.


Ich dachte, wenn es wirklich nicht mehr geht, kann ich immer noch umdrehen.


Auf der Straße ist zudem Betrieb mit Autos, Mountainbikern und Teilnehmern der Silkroad Mountain Race. Ein Radrennen. Voll cool.


Ich hatte mir vorgenommen solange zu fahren bis entweder 30 Km, oder auf 2500 m oder bis 19 Uhr geschafft ist. Oder wenn eine geeignete Wasserstelle mit Campspot kommt.


Es kam ewig kein Fluss oder Bach, auch wegen Trinkwasser. Als ich dann endlich einen Bach sichte, ist dieser bereits von einer Nacktschnecke beim Baden belegt. Als ich näher komme, erkenne ich Oliver. Er freut sich mich zu sehen und so kochen wir nochmal zusammen und haben einen schönen Abend.


Zudem waren es bei Ankunft genau 30 Km, 19:04 Uhr und auf 2564 Hm. Also alle Ziele erreicht.


Das Bad im Bach war richtig kalt. Mein Kopf schmerzte von dem kalten Wasser.


Sonst superschöner Ort uns wieder ein fantastischer Sternenhimmel. Und frisch wird es. Mittags brät man in der Sonne, Abends kann schon das Winteroutfit angelegt werden.



Tag 2 - Tosor Pass geschafft


Ich und Oliver verabschiedeten uns wieder am Morgen. Ich ging am Morgen nicht davon aus, es bis auf die 3893m zu schaffe.


Ich nahm mir ca. 800m vor, bis zu einem Platz der zum Campen geeignet sein soll. Gibt da die App iOverlander für. Obwohl diese eher von 4x4 Reisenden gepflegt wird.


Die Strecke war häufig gut fahrbar. Zwar steil, aber solange kein Geröll auf der Straße liegt, geht es.


Also hatte ich mein Tagesziel quf 3324m bereits um ca. 15 Uhr erreicht. Anstatt zu chillen, entschied ich mich weiter zu fahren, soweit es geht.


Bis 3500m war alles in Butter. Ab 3600m wurde es haarig.

Mir ging der Saft aus. Nur noch Geröll und richtig steile Anstiege. Sicherlich trägt die dünne Luft auch zur Erschöpfung bei. Ich musste ständig stehen bleiben.


Ich wurde von vielen Radfahrern überholt. Die hatten alle erheblich weniger Gepäck.

Irgendwann konnte ich mein Fahrrad nicht mal mehr schieben. Also nahm ich 2 Taschen, schleppte Sie den nächsten Anstieg hoch und holte dann das Fahrrad.


Es war unglaublich mühsam. So ging es die letzten 2 Kilometer.

Aber ich habe es geschafft.

Ca. Halb 8 war ich oben auf 3893m!!!

Ich war sehr stolz.


Leider begann es zu dämmern und ich musste mich beeilen ein wenig Richtung Tal zu kommen um einen Campingplatz zu finden.


Zunächst wieder steil und Geröll. Ich hatte viel Angst, bin aber noch nie so schnell so schlechte Straßen hinab gestürzt. Aber die Zeit lief. Arschkalt war es auch noch dabei und zunehmend wurde die Sicht wegen Dunkelheit schlechter.


Irgendwann war ich tief genug im wunderschönen Tal und nahm eine Straße ins Grüne.


Ich baute im Wind und Dunkeln so schnell nur irgend möglich das Zelt auf. Alles rein, inklusive ungewaschenem ich. Thermounterwäsche an und ab in den Schlafsack.

Ich bin einfach nur fertig.



Tag 3 - Landschaft ein Traum, die Fahrt ein Albtraum


Ich bin Nachts leider nicht richtig warm geworden. Mir war an den Beinen die ganze Zeit kalt. Morgens soweit möglich eingepackt und in den sonnigen Tag gestartet.


Es war wohl unter 0 Grad, da sich am nahe gelegene Bach Eis gebildet hat.

Mit der Sonne und Bewegung kam ich aber gut in die Gänge. Es war sehr windig. Das hat bisschen genervt beim Zeltabbau.


Dann bin ich freudig los gefahren. Mir war etwas schlecht und viele Körperteile schmerzten. Die Strapazen der vergangenen zwei Tagen merkte ich stark.


Heute sollte es im schönen Tal für viele, viele Kilometer flach und leicht bergab gehen. Sollte!


Die Strecke war gravel / schotter. Am meisten stören die festen Steine im Boden, da die so richtige bumper sind. Das zehrt schon bisschen an den Nerven, wenn man keinerlei Federung am Rad hat.


Dazu kam, dass der Wind, der Gegenwind war, immer stärker wurde. Man konnte nicht mal bergab Rollen. Den ganzen Tag hart strampeln, damit man 7 Km/h fährt.


Ein Alptraum. Die Lautstärke des Windes kommt ja noch dazu.


Eine nette Abwechslung boten die überholenden Teilnehmer der Silkroad Mountain Race. Die meisten sind ein nettes Völkchen die sogar Zeit für einen Plausch fanden.


Ich musste auf der Tour auch durch paar Bäche bzw. Flüsse. Fluss 1 problemlos gemeistert, Fluss 2 Schuhe ausgezogen, Fluss 3 Schuhe anbehalten und so probiert - stand dann schnell mit beiden Beinen drin. Gut das ich ein zweites Paar Schuhe habe.

Gab noch mehr Flüsse. Je nach Lage dann Schuhe ausgezogen.


Der Wind wurde immer schlimmer und ich begann mich zu fragen, wie ich es aus diesem Alptraum schaffen soll. Ich kam kaum vorwärts und mein Körper schmerzt enorm durch die Strapazen der vergangen zwei Tage. Vor allem das Schieben hat zu enormen Schmerzen in Nacken, Armen und Rücken geführt. Einfach verspannt Muskeln.


Nach 38 Km, um 16:30 Uhr suchte ich kurz Windschutz hinter einer Felswand. Ich hatte keine Lust mehr.


Plötzlich rufen zwei Radfahrer.

Oliver und Arno. Oliver hatte ebenfalls die Schnauze voll von den Strapazen und hat sich Arno angeschlossen, der ihm entgegen kam um den Arabelle Pass zu nehmen


Ich schloss mich dem an, da diese Route mit dem Wind führte. Da muss ich zwar nochmal einen Pass fahren und komme wieder am See an, aber das ist mir lieber als der Kampf gegen den Wind.


Wir fuhren noch eine Stunde und suchten uns dann einen Campingplatz für die Nacht. Wie gemalt hier.

Oliver wird mich wohl nicht mehr los.



Tag 4 - Wo ist Oliver?


Wieder eine Nacht unter Null auf ca. 3000m. Aber ich habe warm und gut geschlafen.


Auf dieser Höhe kocht das Wasser erheblich früher. Vielleicht bei 90°C.

Wenn blubberblasen aufsteigen, kann man noch einen Finger rein stecken, da es gar nicht so heiß ist.

Sehr interessant.


Da Oliver heute bissl langsam beim packen war, sind ich und Arno schon mal los. Da Oliver der schnellste ist, waren wir uns sicher er holt uns ein.


Die Strecke erschien harmlos flach. Jedoch machen einen die steinigen Untergründe und weichen Grasflächen sehr langsam.


Die Landschaft wieder wunderschön. Ich könnte einen Kalender nur mit Fotos der letzten 4 Tage füllen.


Wir schafften nur 40 Km.


Überall in den Wiesen leben Murmeltiere. Die machen quiekgeräusche wenn man mit dem Rad ankommt. Alle laufen dann schnell in ihren Bau. Nur einer hat Pech und muss Wache halten und warten bis die Gefahr vorbei ist.


Hier in den Tälern leben im Sommer Menschen, die sich um die Kühe, Schafe und Pferde kümmern.

Viele Menschen leben in ganz kleinen Hütten oder in den Yurten.

Mich wundert es fast, wie die Leute hier leben, da Sie keine Gärten haben.

Wasser aus den Bächen, Feuer mit Pferde- und Kuhdung, mangels Holz.

Strom gibt es auch nicht.

Ich frage mich vor vor allem was die Leute essen.


Jedenfalls war es heute wieder sehr kräftezehrend. Vor allem Passagen zum schieben, wie z.B. das waten durch die eiskalten Flüsse, macht mich fertig. Es tut mir schon alles weh.


Auch Abends, ab 18 Uhr wird es schlagartig kalt. Um 19 Uhr ist es arktisch.

Auch das ist anstrengend.

Aber die schönen Ansichten entlohnen für die Strapazen.


Was wurde nun aus Oliver? Wir wissen es nicht. Er hat uns nie eingeholt. Ich war nachmittags sehr besorgt und hatte schon überlegt zurück zu fahren.


Irgendwann fiel uns auf, dass wir auf der falschen Flussseite fahren. Also dachten wir, Oliver hat uns unbemerkt überholt.


Wir sind Abends extra so lange wie möglich gefahren, bevor es dunkel wird, mit der Hoffnung den Armen zu finden. Leider nicht geglückt.


Ich hoffe wir finden ihn morgen wieder.



Tag 5 - wie sieht so ein Tag in der Wildnis überhaupt aus?


Über die Nacht, wir waren auf ca. 3200m, war es nicht so kalt wie die Tage davor. Lag ggf. daran, dass Wolken aufgezogen waren.


Üblicherweise stehe ich zwischen 7:00 Uhr und 7:30 Uhr auf. Zunächst umziehen im Zelt, aus dem Zelt raus, Schlafsack, Inlet usw. Zum lüften legen, Zähneputzen und waschen, Wasser filtern, Klamotten und Kleinkram wieder in den Taschen verstauen, Schlafsack, Isomatte usw. Zusammenrollen, Zelt Abbauen, Kocher auspacken und Wasser kochen für Kaffee, frühstücken, Spülen, kpchensachen wieder packen, Fahrrad beladen, eincremen, Route laden und los fahren.


Das alles dauert ca. 2 Stunden. Abends der Aufbau inkl. Duschen und Kochen ebenfalls.


Auf dieser Höhe stehen alle Behältnisse wie Flaschen, Dosen, Tüten unter Druck. Also Obacht beim Öffnen.


Da es Abends so schnell eisig wurde und die Gebirgsbäche schmerzhaft kalt waren, habe ich das Waschen auf ein Minimum reduziert. So schmutzig wie heute habe ich mich seit Rock am Ring vor 10 Jahren nicht mehr gefühlt.


Ich und Arno wollten früh los um Oliver einzuholen. Er ist nicht so der Frühaufsteher. Wir haben ihn jedoch nicht gefunden.


Die Strecke war wieder ein holpriges auf und ab mit leichter Steigung. Meine Stimmung war ok. Nur die tausenden Flussdurchquerungen haben mich auf dem Zahnfleisch gehen lassen. Jedes Mal Schuhe aus, mit den nackigen Füßen in dem schmerzhaft kalten Wasser auf den Steinen die auch mal Spitz sind und dabei das Fahrrad da durch schaffen, dass dann gerne auch mal an den Steinen fest hing. Mir kamen tatsächlich kurz mal die Tränen. Ich wollte einfach nicht mehr.


Aber als es irgendwann vorbei war, war alles wieder gut und ich war mit der Arbeit des Fahrens beschäftigt.


Mittags kamen wir bei der letzten harten Steigung des Arabel Passes an. In steilen Serpentinen ging es wieder auf 3800m und ein paar gequetschten.


Auf halben Wege, wieder hart am schieben, ruft doch jemand von oben herunter. Unglaublich, aber Oliver ist wieder da.

Oben angekommen zunächst Pause, Gruppenfoto und weiter.


Die Strecke verlief noch ca. 25 Km zwischen 3800 Hm und 4000 Hm. War sehr schön.


Dann kam die längste Abfahrt meines Lebens. 40 Km !!! Von 3850Hm auf 1600 Hm. Es kam mir unendlich vor. Wie sich die Landschaft in kurzer Zeit verändert.


Oben alles karg, kalt, schneebedeckte Gipfel.

Dann zunächst Geröllwüste, dann Alpen und Schweiz, später Wüste und zuletzt unten im warmen am See angekommen.


Ein Gästehaus gesucht und gefunden. Ordentlich geduscht und essen gegangen.


Hier gibt es keine Straßenlaternen. Also um 8 Uhr stockfinster. Fast wären wir in eine Kuh gelaufen, die Mitten auf der Straße stand.


Die Frau vom Gästehaus erklärte uns, wo wir was zu essen finden.

Ohne die Erklärung hätten wir es nicht gefunden. Es war einfach eine hell leuchtende, offen stehende Tür.

Es gab Pelmeni frittiert für mich.


Dann ab ins Bett. Leider ist die Matratze so hart wie ein Brett. Das Kissen ist auch hart und viel zu dick.


Da schlief es sich im Zelt fast besser.


Aber egal. Morgen schön ausschlafen und sich schön frühstück hinstellen lassen.




 
 
 

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