Flach, flach und nochmals flach
- kathrinstahl

- 21. Okt. 2022
- 3 Min. Lesezeit
21.10.2022, Tag 202, Usbekistan - Bukhara

Von Samarkand starte ich Richtung Buchara. Leider war es sehr frisch und Regen gemeldet. Aber ich hatte keine Geduld um noch einen Tag im Hotel zu bleiben.
Ich wollte auch mal wieder campen. Dazu war ich fest entschlossen.
Die Route führte den ganzen Tag auf stark befahrenen Straßen, umgeben von Ortschaften, Feldern und alles was dazu gehört. Ein Plätzchen zum pinkeln zu finden war schon schwierig.
Zudem regnete es dauerhaft. Meine Füße klitsch nass, da ich irgendwie verpasst habe rechtzeitig die Überschuhe herauszuholen. Für ein Päusschen sich unterzustellen ergibt sich auch nicht.
Irgendwann war auch die Regenjacke nicht mehr dicht.
Also beschließe ich das nächst mögliche Hotel anzusteuern. 3,6 Km vor dem Ziel: mal wieder einen Platten.
Ich fange mit der Arbeit im Regen an, da halten zwei junge Männern und eine junge Frau an um mir zu helfen.
Die Männer wollen das für mich machen, ich soll mich ins Auto setzen.
Ich konnte Sie leider nicht davon abbringen.
Lange saß ich im Auto. Bis sie meinten, dass Ventil wäre kaputt. Das französische Ventil / Presta war wohl unbekannt. Gibt natürlich niemand zu.
Na jedenfalls haben die zwei den Einsatz herausgeschraubt und ich habe von einem anderen Schlauch den Einsatz genommen.
Dann war deren Ansicht, dass die Pumpe kaputt ist.
Ich selbst durfte nicht ran und die zwei Jungs haben den Reifen nicht fit bekommen.
Also fuhren Sie mich mit dem Auto zum Hotel und ein zweites Auto holte mein Fahrrad.
Im Hotel nahmen Sie das Rad, fuhren irgendwo hin und kamen mit dem aufgepumpten Rad zurück.
Lang und kompliziert unter Beteiligung von 4 Erwachsenen. Aber hey, der Reifen erscheint wieder frisch zu sein ohne das ich viel Arbeit hatte. Nur Geduld hatte ich aufzubringen. Darin bin ich mittlerweile geübt.
Die Männers luden mich Abends zum Essen ein. Ich war zwar erledigt, aber für die Hilfe sage ich gerne ja.
Im Auto wurde kurz gefragt ob ich rauche. Sage ich: manchmal. Und was rauche ich? Zigaretten und gelegentlich Gras.
Darauf hatten es die Jungs abgesehen. Ob ich Bock auf kiffen hätte.
Sage ich: ja, warum nicht.
Zunächst wurde mit viel Aufwand und Liebe zum Detail eine Pfeife gebastelt.
Ich dachte wir fahren mit dem Auto irgendwo hin. Aber nein, das Zeug wird im Auto vernichtet. Drei Männer und ich. Während der Fahrt. Auch der Fahrer.
Ich dachte mir kurz, ich bin im falschen Film, habe dann aber mitgemacht. Was soll der Geiz.
Die waren so routiniert bei der Sache, da dachte ich mir: wird schon gut gehen. So geschehen.
Heute gibt es für eine Runde Wahrheit.
Es erscheint auch, daß mangels Möglichkeiten zum Treffen und unglaublich günstiger Spritkosten, die Menschen zum zeitvertreib Auto fahren. So auch hier. Raus aus der Stadt fahren, rein fahren, raus fahren, rein fahren...
Irgendwann sind wir in einem Restaurant eingekehrt und haben sehr leckeren Fisch gegessen.
Danach gab es noch eine Runde Pfeife im Auto und dann wurde ich im Hotel abgeladen.
Vielleicht haben die Jungs mir nicht wirklich mit dem Rad geholfen, mir dafür aber diese wilde Fahrt geschenkt.
Am nächsten Morgen war der Reifen wieder platt, zudem regnete es noch und es war kalt. Also beschloss ich einen Tag im Hotel zu chillen. Leider ohne Internet. Den ganzen Tag war der Strom und damit das WLAN ausgefallen. Das Mobilnetz von UCell ließ leider auch sehr zu wünschen übrig.
Ich wechselte den Reifen nochmal und fand ein Metallstück im Mantel stecken. Den haben die zwei am Vortag wohl nicht überprüft.
Zudem fällt auf, dass meine Pumpe abhanden gekommen ist.
Ein Mann vom Hotel hilft mir mit seiner Pumpe aus.
Ich gehe zu Abend essen. Als ich zurück komme, ist der Reifen wieder platt. Unglaublich.
Am nächsten Morgen Wechsel ich den Reifen nochmals, bzw. macht es ungefragt jemand vom Hotel für mich. Sehr nett.
Ich fahre in die Stadt, suche und finde eine Pumpe und kann endlich weiter fahren.
Die Sonne scheint.
Strecke ähnlich wie am Vortag. 90 Km stark befahrene Straße und wenig hübsche Landschaft. Flach, Felder und Siedlungen. Aber das flache gefällt mir gerade. Von Bergen mit dem Gepäck habe ich die Nase voll.
Abends in Navoij ein Hotel genommen. Nur 16 € und ich hatte ein Wohnzimmer und Schlafzimmer. Voll die Suit. Ich König.
Leider wird es früh dunkel. Um ca. 18 Uhr. Zudem sehr frisch. Da macht camping keinen Spaß mehr. Was soll man, wenn man überhaupt ein ruhiges Plätzchen findet, alleine im dunkeln mit kläglichem Internet den ganzen Abend machen?
Am nächsten Tag standen ca. 120 Km bis nach Buchara im Programm. Diesmal querfeldein.
Da gab es die typisch usbekische Landschaft. Vorwiegend flach und Wüste.
Kein Verkehr. War mal wieder schön alleine ohne tam tam drum herum vor sich hin zu radeln.
Abends 19 Uhr in Buchara angekommen, Hostel bezogen und eine schlechte Pizza gegessen.
Mir war klar das die Pizza mies sein wird, aber ich wollte nach dem langen Tag einfach eine Pizza essen.
Morgen dann eine Runde Sightseeing in Buchara. Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir besser als Samarkand, da sie komplette Altstadt wie eine Wüsten-Oasenstadt der goldenen Seidenstraßenzeit aussieht.
Ich bin gespannt.


























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